Der erste Schnitt für Heu und Heulage steht an, nachdem die Flächen für Silo „runter“ sind. Das Kitzrettungs-Team steht vor zwei Herausforderungen: Das Gras und die Außentemperatur sind höher. Bei 17, 18 Grad angekommen, wird es für das Team am Monitor schwer, noch klare Wärme-Unterschiede auf dem Bildschirm auszumachen. Obwohl der Himmel bewölkt ist. Das Einsatzteam im Gelände findet zufällig ein Kitz. Beim Aufnehmen fängt es sofort an zu klagen, zwei weibliche Stücke Rehwild springen ab, ein weiteres kommt aus dem nahen Baumbestand angesprungen. Es ist die dazugehörige Ricke, die sofort auf das Klagen ihres Kitzes reagierte. Einen Fall, den wir jetzt das zweite mal erleben durften. Da das schon einige Tage alte Kitz beim Heraustragen Blickkontakt zu seinen Artgenossen erhält, wird es am Rande der Wiese ausgesetzt und es folgt in hohen Fluchten den anderen Stücken.
Ein in derselben Wiese gefundenes Kitz ist schon so stark und mobil, so dass Fangen zum Sport geworden wäre. Es flüchtet aus der Wiese und verschwindet nach der benachbarten, bereits gemähten Wiese, aus unseren Augen, in einen Baumbestand.
Auf der davor abgesuchten Wiese flüchtet ein mobiles Kitz über die Freiflächen, ein weiteres entzieht sich durch einen Holzbestand zur Nachbarwiese ebenfalls unseren Blicken.
Spektakulär ist die Aktion nahe der Wümmewiesen. Eine schwarze Ricke mit einem normalfarbenen Kitz verlässt die Wiese, als wir uns nähern. Einen Moment später springt ein weiteres weibliches Stück nahe des Grenzgrabens ab. Der Copter hängt noch in der Luft und wir irren um das Bett der Ricke herum. Das Gras geht bis zur Brust. Zwei Leute treten fast auf das pechschwarze Kitz, das direkt zwischen ihnen im hohen Gras sitzt. Ein ebenfalls schon stärkeres Jungtier. Zwar lässt es sich greifen, fängt aber vor Schreck und in Panik sofort an zu klagen und beim Aufnehmen an zu schlegen. Da es sehr mobil scheint, stark unter Streß steht und die Nachbarwiese hinter dem Graben nicht gemäht wird, entschließe ich mich, es wieder auszusetzen und nicht zu sichern.
Ein Fehler: Die Angst des Kitzes, und der Drang, wieder an seine alte Position zu gelangen, ist so groß, dass es einen Haken schlägt, dabei versucht den Graben zu überwinden, hineinfällt und damit gefangen ist. Die Kanten sind so steil, dass es keine Chance hat, ohne fremde Hilfe jemals wieder aus dem Graben zu kommen. Kein Einzelfall, und ein von mir immer wieder gemachtes Erlebnis und eine von mir immer wieder erwähnte Gefahr bei Rettungsaktionen.
Gut 400 Meter dauert die Verfolgungsjagd, bis das Kitz aus dem Graben gehoben wieder Boden unter den Läufen hat. Ich entschließe mich erneut, es laufen zu lassen. Sofort nimmt es wieder die Richtung „seiner“ Wiese an und schafft es, mich abzuhängen.
Der Landwirt wird informiert, will die Wiese als erstes mähen und vorsichtshalber noch einmal durch das Gras gehen.
Die Entscheidung, dass Kitz laufen zu lassen, lasse ich dahin gestellt. Im nachhinein betrachtet wäre es besser gewesen, es doch zu sichern. Den Eindruck, den wir hatten, obwohl es sich schon so agil präsentiere war, dass es sich vor dem Mähwerk gedrückt hätte, weil es uns auch schon sehr lange aushielt. Was vielleicht der Grashöhe geschuldet war. Es fühlte sich offenbar völlig sicher, obwohl wir neben ihm standen. Natürlich geben wir keine so beeindruckende Geräuschkulisse wie ein Schlepper mit Mähwerk ab.
Bis auf die wirklich kleinen Kitze, die noch gar nicht zu realisieren scheinen, was geschieht, scheint mir das Verhalten mobilerer/älterer Kitze doch recht unterschiedlich. Kann sein, dass sie vor dem Mähwerk flüchten, kann aber auch nicht sein.
In der kommenden vielleicht auch noch in dieser Saion ist es vielleicht einen Test wert, einen akustischen Wildretter dabei zu haben, um direkt einmal in der Nähe eines so mobilen Kitzes zu testen, ob sie davor flüchten. – Bettina Diercks -n

Flugzeit: 05:00 – 09:00 Uhr
Anzahl Flächen: 9
Gesamt Fläche: 13,5 ha
Wetter: 15°C
leicht bewölkt
Wind: 13 km/h