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Die besonderen Momente

Fünf Uhr fühlt sich mittlerweile normal und wie mitten am Tag an. Mittlerweile stehen wir bei bestem Licht und oftmals phantastischen Sonnenaufgängen in der Natur. Die vergangenen Tage dann auch noch mit Nebel.

An der ersten Fläche erwartete uns ein faszinierendes Bild: Am Ende einer gemähten Fläche, parallel zu der, die wir gleich abfliegen sollten, beobachteten wir eine Ricke, die ihr Neugeborenes aus der Wiese führte. Sie lief ein paar Schritte vor, machte immer wieder kehrt, senkte das Haupt, als würde sie dem Kitz etwas zuflüstern. So ging das gut 100 Meter. Staksig und bemüht zog das kleine dunkle Kitze hinter der roten Ricke hinterher.

Wie der Teufel es so will: Am Ende der noch nicht gemähten Wiese machten wir einen Funde. Eine einzelne Kitzfängerin machte sich auf den Weg. Irgendwann bekam die Ricke die Fängerin mit und sprang ein wenig ab, kehrte aber gleich wieder zu ihrem Kitz zurück. Zwei Einjährige Stücke sprangen hinzu. Geduckt harrte die Kitzretterin in der Hoffnung aus, dass die Ricke es zeitnah schafft, den kleinen Graben mit Kitz zu überwinden. Die Fängerin wechselte in die Wiese, wo das zu sichernde Jungtier lag. Das war offenbar dann doch zu viel für die Ricke. Sie verschwand und ließ ihr fiependes Kitz zurück, dass dann herumirrte.

Möglichst schnell wurde das andere Kitz gesichert und die Bühne des Geschehens verlassen. Das dunkle Jungtier fiepte und fiepte, doch nichts geschah.

Mittags, als es Zeit wurde, alle heute gesicherten Kitze freizulassen, war diese eine Wiese immer noch nicht gemäht, weil der Landwirt einen Maschinenschade hatte und die Mahd sich in den Nachmittag hinein verschob.

Jetzt gab es drei Möglichkeiten: Den Korb auf dem Kitz oder es freilassen, dann mit der Gefahr, dass es vermäht wird oder doch raustragen. In diesem Fall und in Anbetracht der Ungewissheit, wann es weitergeht, blieb nur Möglichkeit drei.

Also viel Gras abgerupft, vorsichtig den Korb angehoben und das Kitz unter den Arm geklemmt (bildlich gemeint), um es im verbliebenen Grün unter der Zaun zu sezte.

Beim Übersteigen des Zauns auf einmal ein Schreckenslaut und eine Bewegung. Ein Kitz wurde direkt neben dem Fuß hoch, klein, eher zierlich, und dunkel: Das Neugeborene vom Morgen! Unglaublich. Es war völlig aus der Fassung, aufgeschreckt und klagte fürchterlich. Der Versuch, es durch drücken wieder niederzulegen, misslang. Es purzelte im Unebenen immer irgendwo hin und beruhigte sich auch kein bisschen. Erst mit noch mehr Gras und einen erneuten Versuch, es zum Sitzen (Liegen) zu bringen, gelang es. Gras drauf und schnell weg. Es blieb sitzen.

Einer der Jagdpächter wurde infomiert. Er vermeldete, dass das Kitz weg und alles gut sei. Hoffen wir es!