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Tropfnass

Selbst bei diesem Wetter geht es heute los: Diesig, leichter Sprühregen, “Fisselkram” sozusagen. Nicht gut für den Copter. Probieren wollen wir es aber.

Da ein Landwirt für heute abgesagt hat, brauchen wir “erst” um 5 Uhr an der ersten Fläche sein.

In dem vielfach flachliegenden Gras ist es schwer zu laufen. Auf der ersten Flächen, einer mit Ackergras durchzogen Flächen werden wir von weitem von einer Ricke beäugt. Ziemlich am Ende des Schlages. Dort wird der Copter und somit auch wir fündig. Zwei nahe beieinander sitzende Kitze, in dem Fall sicher Zwillinge.

Wer Regenhosen trägt, kommt gut bei der Nässe weg, Beinlinge, so praktisch sie auch sind, vor allem dornendichte, ist schon jetzt bis auf die Unterwäsche nass.

Der Copter fliegt zwischendurch merkwürdig anmutende Bahnen in der Luft. Ihm steigt die hohe Luftfeuchtigkeit offenbar in die Technik. Die Piloten holen ihn zurück und legen ihn mit dem griffbereiten Handtuch trocken.

Im folgenden Schlag werden wir gleich mehrfach fündig. Während ein einzelnes Kitz gesichert wird, folgt ein weiteres Team etwas unaufmerksam der Ansage des Piloten und bremst erst im letzten Moment vor einem Kitzbett. Die beiden Jungtiere, gebannt an einem Platz und die Lauscher gespitzt, entfernen sich lieber mit weiten Sprüngen in gegensätzliche Richtungen. Vermutlich wären selbst bei Einsatz von Körper und Leben die beiden nicht auf einen Schlag zu fangen gewesen. 

Schon ruft der Copter zur nächsten Stelle. Unter Birken. Schwupps, einen Graben überwunden und sich durch das nasse und über liegendes Gras geackert. Ein wirklich noch junges Kitz sitzt irritiert im Bett. Kaum ist der Korb darüber, meldet der Pilot unweit entfernt einen weiteren warmen Punkt. Und, siehe da, noch ein kleines Kitz. Ob es Zwillinge sind? Einige Meter voneinander entfernt sitzen sie doch, wenngleich Größe/Alter und Farbe darauf schließen lassen.

Beim Landeanflug tropft mittlerweile das Wasser vom Copter. Liebevoll wird “Erich” abgetrocknet. Und schon geht es weiter. Die nächste Wiese liegt mitten im Dorf. Und dennoch: Gleich das erste Kitz, sehr aufmerksam, obwohl noch recht jung, entrinnt uns und flüchtet Richtung Garten, der mit vielen Bäumen gesegnet ist. Doch es kehrt noch vorher um und will sofort zurück. Da wir hinterher gegangen sind, macht es erneut kehrt und entschwindet dieses Mal. Bei genauerem Hinsehen wird klar, weshalb es nicht gleich den Weg aus der Fläche gesucht hat: Ein recht breiter Graben liegt zwischen Wald und Wiese. Wir hoffen, dass es jetzt dort bleibt und nicht zur Mahd zurückkehrt. 

Auf dem Rückweg werden wir erneut zu einem Bett gelotst. Das Kitz hat uns ebenfalls schon weg, erwartet unserer Eintreffen mit höchster Aufmerksamkeit und quittiert es mit einer Flucht. Beim Absetzen des Funkspruches wird ein zweites, unmittelbar hinter dem ersten Bett sitzendes Kitz hoch und flüchtet ebenfalls. Eins sehen wir Richtung Wäldchen abspringen, in dem tatsächlich die Ricke ruft, das zweite bleibt trotz Suche verschwunden.

Da wir eh schon nass sind: Auf zur letzten Wiese. Eine Ricke fühlt sich lange zwischen den hohen Disteln sicher, springt dann aber doch ab. Nicht weit von ihr entfernt finden wir dann ein Kitz.

Wer sich jetzt fragt, wer bei dem Wetter und den -aussichten mäht: Landwirte, die aufgrund der der durchaus schwierigen Vorjahre jetzt Futterknappheit haben.

Jetzt hoffen wir nur, dass wir alle mobile(ren) Kitze dazu gebracht haben, die Fläche zu verlassen und bei der Mahd alles gut geht. Für die Kitze und den Landwirt! (Text von Bettina Diercks)