0156 - 78 32 11 02 info@rehkitzrettung-sottrum.de

Wunder gibt es immer wieder …

… wobei Geburten der natürlichste Vorgang der Welt sind, oder etwa nicht?
Was für ein Ritt heute!!! Pünktlich um 4.30 Uhr ging der Copter in die Luft. Auf den ersten Flächen gingen wir leer aus, auf Flächen in der Wümmenniederung, ein Garant für Rehwild und Kitzfunde, konnten drei junge Kitze gesichert werden. Zwei davon, Zwillinge, waren vielleicht ein, zwei Tage alt. Ob sie zwischen Sichern und Mahd schon mal geklagt haben und die Ricke sich deshalb näherte, ist nicht bekannt. Kaum waren die Körbe allerdings weg und das zweite tatsächlich den Eindruck gemacht hatte, als hätte es gepennt, fingen beide an nach ihrer Mutter zu rufen. Verständlich, sie waren schon seit Stunden ohne Milch, der Landwirt mit seiner Mahd in Verzug. Ärgerlich!
Und, wie es manchmal so doof läuft: Kommt die Ricke genau aus dem Busch gesprungen, wo das Auto parkte. Sehr ärgerlich, aber nicht vorhersehbar. Also, nichts wie weg!
Denn an anderer Stelle wartete ein ganz besonderer Fund – siehe Video. Aufgrund eines Missverständnisses zwischen einem Landwirt und einer Helferin war die Suche an einer Fläche abgebrochen worden. Sie und ein Pilot fuhren nach beendetem Morgeneinsatz zu den ausgelassenen Flächen. Auf dem Monitor ein Fund und schon gleich eindeutig: Ricke und Kitz. Oder zwei Kitze? Auf Echtbild umgeschaltet und mit dem Copter tiefer gegangen. Tatsächlich: Eine sitzende Ricke, die sich beleckt, ein Kitz, dass scheinbar über sie rüberhüpft und noch etwas im Gras. Also hin. Die Ricke wird hoch und flüchtet. Das Bett erweist sich als Setzbett, die Plazenten lagen noch darin und zwei Kitze, die im Niedriggang, also auf “Knien” davon robbten. Das eine verkroch sich so geschickt, dass es kaum auffindbar war. Was tun? Kollostrum hatten sie vermutlich noch nicht. Also: Auf weite Entfernung zwei Pfähle hingestellt und den Landwirt informiert bzw. sich mit ihm besprochen.
Was für eine schwere Entscheidung, die binnen Sekunden gefällt werden muss: Wie mit so einer Situation umgehen? Welche Entscheidung ist die richtige? Da das Mähwerk noch in weiter Ferne war, vielleicht die einzige richtige, die Kitze säugen und der Ricke die Chance zu lassen, tatsächlich selbst frisch gesetzte Kitze aus der Wiese zu führen.
Die Fläche wurde zuletzt gemäht, zudem sehr vorsichtig, und von der Helferin zu Fuß vorher und währenddessen rings um das Setzbett abgesucht. Keine Kitze auffindbar! Das muss nichts heißen. Gleich geht es noch einmal raus, die Wiese checken. Ist Luftwaffe unterwegs? Sucht eine, die Ricke? Doch immer wieder bange Momente, die einem keiner nehmen kann. Höchstens, keine Todmahd zu finden. Feierabend: 18.46 Uhr, Gantageseinsatz ohne Pause, 135 km gefahren.